Montag, 6. April 2015

Blogparade: Die Kraft die es braucht es niederzuschreiben

Hallo meine Lieben

Ich freue mich wahnsinnig ein Teil dieser tollen Blogparade zu sein und euch nach den ganzen Tests und Rewievs auch mal etwas privates zu berichten.
Ich habe lange gezögert, begonnen, geweint, alles wieder gelöscht und dennoch habe ich entschlossen: Ich bin dabei wenn es heißt:


Mein Leben mit Hochsensibilität

Es gibt keinen Startpunkt. Es gibt keinen Schalter der plötzlich umgelegt wurde und der das Erleben zu einem Chaos aus Gefühl, Licht, Duft und Ton werden ließ.
Irgendwann in der Pubertät hatte ich es satt, dass mich alle für weinerlich hielten.
"Die ist eben nah am Wasser gebaut" hieß es von allen Seiten!

Nein! Ich nehme nur alles viel stärker wahr als ihr anderen es tut!


Seitdem versuche ich das Chaos in meinem Kopf irgendwie im Zaum zu halten.
Es gibt keine genauen Erklärungen dazu, woher es kommt und was da genau mit einem passiert. Bei uns hochsensiblen Personen (HSP) haben sich im Gehirn die Neuronen in einer bestimmten Weise verbunden, allerdings kam es bei der Ausbildung dämpfender Bereiche zu Schwierigkeiten. Dadurch wird die Großhirnrinde mit viel mehr Signalen beschossen. Wir nehmen nicht mehr wahr aber anders als bei nicht HSPlern wird einfach viel weniger vorgefiltert und viel mehr Reize als wichtig eingestuft. Das bedeutet permanente Reizung.



Das Buch "Zart Besaitet" von Georg Parlow befasst sich genau mit diesem Phänomen und erklärt es anhand einer Partysituation. Ich würde das gerne hier einmal übernehmen, um euch deutlich zu machen, wie wir die Welt sehen.

Person A keine HSP
Kommt auf die Party, kategorisiert die Personen nach bekannt und unbekannt oder auch sympathisch und uninteressant und reagiert auf die Begrüssung des Gastgebers mit einem Lächeln. Damit ist das Umfeld erstmal ausgeblendet und die Konzentration liegt auf dem Gastgeber.

Person B eine HSP

Kommt auf die Party, kategorisiert ebenfalls aber zusätzlich nimmt er die Stimmungen bzw. Zustände der Personen wahr. Er "sieht" auch Beziehungen zwischen anwesenden Personen und spürt sofort wer sich mag oder eher nicht. Er sieht auch aus der Distanz wer wen tröstet, wer über wen lästert oder wer in wen verliebt ist. Außerdem kommt noch die Umgebung dazu, die man KOMPLETT wahrnimmt. Man erkennt anhand dessen wie die Deko plaziert ist, ob es jemand eilig hatte, man merkt die Luft, die Musik, den Rauch, Parfüm der Gäste, evtl. Haustiere, Gerüche aus der Küche usw.
Wenn der Gastgeber einen dann anspricht führt die Reizüberflutung nicht selten zur totalen Überforderung.

Hochsensibilität ist keine Krankheit. Viele nennen es eine Gabe. Ich nenne es Folter!


Wenn der Zustand nicht über längere Ruhe- und Erholungsphasen ausgeglichen wird, kann daraus eine dauerhafte Spannung resultieren, die sich in starker Unruhe und Nervosität bis zu Angststörungen oder Depressionen zeigt.

Daraus resultierte auch bei mir im Laufe der Jahre eine starke soziale Angst.
Ich meide die Menschen, denn sie können ihre Gefühle nicht abstellen. Egal wie stark ich mich danach sehne rauszugehen unter Menschen zu kommen und einfach entspannt in einer Bar zu sitzen. Ich leide dort Höllenqualen. Ich spüre jede Empfindung der Menschen in meinem Umfeld. Egal was die Person am Nachbartisch gerade empfindet, ich nehme sofort ihre Gefühle als meine Gefühle auf. Es kann auch vorkommen, dass ich einfach aus dem nichts losweine, weil ich traurige Stimmungen spüre.
Ich leide sehr darunter ständig vor der Frage zu stehen ob ich gerade das spüre was ich wirklich fühle  oder wieder nur das, was die anderen empfinden. Sicher wissen tue ich es nie.

Es zeigt sich auch in anderen Bereichen

Gerüche, die nicht bewusst von mir gerochen werden wollen, können sofortige Übelkeit auslösen. Gehe ich bewusst in einen Laden und rieche an Parfüm, passiert nicht viel. Morgens die Kühlschranktür öffnen und gleich danach übergeben. Keine Seltenheit, eher normal geworden.
Ähnlich bei Geräuschen. Bewusst aufgedrehte Musik ist eine Wohltat. Radio im Sportstudio welches ich nicht abstellen kann, Gespräche am Nachbartisch oder wenn Menschen mich ansprechen während ich telefoniere treiben mich zur Verzweiflung. Mein Kopf platzt, die Reize überfluten mich. Oft schießen sofort Tränen in die Augen und mein einziger Instinkt ist die Flucht.


Aber es gibt einen Anker. Hoffnung. Ich habe in letzter Zeit Menschen getroffen, die mich nicht belächeln, wenn ich nach 30 Minuten in einem Café wieder gehen will. Menschen die nicht sagen
"Reiß dich doch mal zusammen"
Sondern solche, die von vorn herein kurze Treffen mit mir ausmachen oder wenn sie mich zuhause besuchen kein Parfüm tragen.

Und es gibt Möglichkeiten der Abschirmung, die ich zusammen mit einer Therapeutin ergründe. In letzter Zeit gab es sogar manchmal einen Moment der Freude, denn meine grenzenlose Empathie öffnet mir auch viele Türen. Es ist meine größte Stärke!
Seit ich sozial aktiv bin bekomme ich viel zurück von Menschen, die es zu schätzen wissen, dass ich praktischerweise genau spüre was sie meinen. Es gibt Hoffnung und ich werde kämpfen! Vor allem für mich! Ich studiere nicht umsonst Psychologie und bin mir auch bewusst, dass ich um das Leid, um die Gefühle und Stimmungen anderer Menschen nicht herumkommen werde. Aber ich merke eben auch, dass ich viel positives aus der Hochsensibilität ziehen kann und mein größtes Ziel ist deutlich vor Augen.

"Es soll keine Folter mehr sein sondern eine Gabe, die ich einsetzen kann um anderen zu helfen aber auch "abschalten" kann um mich zu schützen! "

Leider wissen zu wenig Leute von uns. Die meisten belächeln einen und das macht es noch viel schlimmer. Denn es gibt einem das Gefühl, dass man es abstellen könnte und man sich lächerlich macht, wenn die Reize einen zu Boden drücken.
Ich möchte das wir akzeptiert werden. Wir empfinden die Welt anders - nicht besser nicht schlechter - nur anders.
Ich wünsche mir, dass die Akzeptanz steigt und hoffe jeder, der einen sensiblen Menschen in seinem Umfeld hat kann ihn jetzt besser verstehen wenn er flüchtet, schreit oder sich die Ohren zuhält.

365 Tage im Jahr 24 Stunden Reizüberflutung - das hält keiner ohne Hilfen aus!

Grüße eure Beere





Ich danke Franzi, dass sie das hier ins Leben gerufen hat und ich bin unendlich stolz auf mich, dass ich es doch aussprechen konnte und dabei bin. Schaut die nächsten Wochen auch weiterhin vorbei denn es werden noch viele persönliche Geschichten erzählt!

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Kommentare:

  1. Hallo liebe Beere,

    danke und danke für diesen Artikel! Ich bin sehr stolz auf Dich, weil Du den Mut hattest den Artikel doch zu schreiben. Ich weiß, wie schwer es Dir gefallen ist.

    Auch ich bin Hochsensibel, das weißt Du. Auch ich habe diese Eindrücke, auch wenn ich versuche mein Leben nicht zu doll davon beeinflussen zu lassen. Genau wie Du versuche ich auch eher den Nutzen davon zu gebrauchen. Es ist ein jahrelanger Kampf, aber ich komme jeden Tag etwas besser damit zurecht.

    Ich hoffe, dass auch Du weiterhin kämpfen kannst und es schaffst, denn es lohnt sich meiner Meinung nach sehr. Wir nehmen oft ja auch Dinge wahr, die anderen verborgen bleiben. Dabei sind es gerade die kleinen Dinge im Leben, die uns die Schönheit der Welt zeigen :)

    Danke noch einmal!

    Liebe Grüße
    Nuriyya

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    1. Danke dir
      Ich habe den Artikel bestimmt 5x wieder umgeschrieben aber im Endeffekt bin ich mit dem Ergebnis zufrieden.
      Wir beide werden das schon schaukeln! Dank für die liebe Unterstützung und das Mut machen den Bericht wirklich zu veröffentlichen!

      Ganz liebe Grüße

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  2. Hallo :)

    Ich bin ueber die Blogparade auf den Artikel gestossen und war von vornherein ziemlich neugierig zu lesen wie sich sowas wohl aus der Sicht von Betroffenen anfuehlt. Ich finde du hast das sehr gut beschrieben.
    Man hoert ja den Begriff Hypersensiblilitaet im Alltag recht selten und auch wenn, hat man keine genaue Ahnung was man sich darunter vorstellen muss.

    Auch wenn ich (bis jetzt) niemanden in meinem Bekanntenkreis habe, den dieses Thema betrifft hat dein Artikel mich etwas darueber aufgeklaert und im Notfall weiss ich, wenn auch nur Ansatzweise, damit umzugehen.

    Vielen Dank dafuer

    LG
    Rin

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    1. Ich danke dir sehr für dein Feedback. Ich habe versucht so gut es geht darzustellen wie ich das tägliche Dasein so erlebe und freue mich, dass du es so gut nachvollziehen kann.st
      Ich freue mich schon wenn einige den Artikel lesen und sollte mal so eine Situation mit einer Person eintreten, dann wissen sie das eben manche Menschen die Welt anders sehen.
      Damit steigt die Toleranz und das war mein Ziel!

      Ganz liebe Grüße


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  3. Ganz ehrlich, ich kenne niemanden, der damit zu kämpfen hat, vielleicht habe ich es aber auch gar nicht wahrgenommen. Jedoch stelle ich es mir nicht einfach vor, mit dieser Reizüberflutung. Du hast erkannt, daß es eine Gabe ist, nutze sie und ich bin mir ganz sicher Du kannst ganz vielen Menschen damit helfen, Du fühlst das was andere empfinden. Ich hätte mir gerade in meiner schwersten Zeit Jemanden gewünscht, der nur im Ansatz hätte spüren können wie ich mich fühlte.Ich wünsche Dir, daß dein Berufswunsch eine Berufung wird und Du selbst mit dieser Hochsensibilität umzugehen lernst.
    Vielen Dank für deinen Artikel.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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    1. Nein in der Tat ist es ein ganz schöner Kampf.
      Manchmal bin ich so im Strom und da merke ich erst kurz vor der Überflutung wieviele Eindrücke ich mal wieder verarbeite. Dann muss ich ganz bewusst ganz raus um wieder zu mir zu kommen. Aber ansonsten lebe ich mein leben so "normal" wie es geht.
      Ich werde mein bestes geben, alles positive rauszuholen und mit allem soveräner umzugehen. Die Zeit und das Alter wird es mit sich bringen, da bin ich sicher.

      Ich danke dir für dein liebes Feedback!
      Grüße

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  4. Wow, super toller Artikel, du hast alles echt gut ausgedrückt und niedergeschrieben..
    Weiß gar nicht was ich da zu sagen soll ..

    Liebe Grüße und noch einen schönen Abend, Kathie <3
    www.mondexrose.blogspot.de

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    1. Ich danke dir für deine lieben Worte!
      Es war auch echt schwer das alles zu formulieren!

      Grüße

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  5. Ein sehr interessanter Artikel! :-) Und eine tolle Blogparade...
    Liebe Grüße,
    Marie <3

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    1. Danke
      Schau gerne auch bei den anderen Teilnehmern vorbei
      Liebe Grüße

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  6. Ein toller Post, du hast deine Situation gut zusammengefasst - das hat dich sicherlich viel Kraft gekostet, oder?
    Ich finde das toll, du hast das super gemacht. :)

    Liebe Grüße,
    Seija // hey there, Daisy

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    1. Ja ich habe es ja im einleitenden Text schon angedeutet. Ich habe wirklich lange überlegt wie ich es schreibe und ob überhaupt usw.
      Aber jetzt ist es fertig und ich freue mich über dein positives Feedback! Danke dafür
      Grüße

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  7. Wirklich toll geschrieben, Klasse das du so viel Mut hattest darüber zu schreiben.Ich denke das es vielleicht auch eine Erleichterung sein kann.Bisher gefällt mir die Blogparade sehr gut, freue mich schon wenn ich dran bin.LG Nadel

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    1. Danke, das war es definitiv. Zuerst gingen die Worte nur spärlich von der Hand aber irgendwann floss es nur so aus mir heraus!
      Ich freue mich auch schon über die ganzen anderen Teilnehmer und hoffe alle nehmen viel positives aus der Parade mit!
      Grüße

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  8. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du es nicht einfach im Leben hast.. Vor allem wenn man meist einfach nur blöd angeschaut wird und ich hoffe, dass viele Menschen dank dieses Postes ihre Meinung ändern <3

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    1. Ja das wollte ich erreichen.
      Das sich jeder hineinversetzen kann wie der schweigsame Nachbar, der Sitzpartner in der U-Bahn oder der Verkäufer im Geschäft sich vielleicht auch fühlen können.
      Damit jeder ein bisschen besser versteht was in uns vorgeht und besser damit umgehen kann. Das ist für beide Seiten ein Gewinn!

      Grüße

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  9. Danke für diesen Beitrag - ich kannte die Krankheit oder deine "Gabe" vorher gar nicht. Und ich kann mir gar nicht ausmalen, wie dein Alltag eingeschränkt sein muss!
    Umso toller finde ich es, dass du Menschen gefunden hast, die Rücksicht nehmen und Menschen, denen du helfen kannst, weil du vielleicht auch eine ganz andere Ebene der Gefühle kennst und verstehst.
    Große Klasse!
    Liebe Grüße
    Tamina

    http://www.rosendornen.com

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    1. Man kämpft sich eben durch den Alltag ;)
      Ich bin auch überaus positiv gestimmt, dass ich jetzt einen besseren Weg gehen kann mit Menschen um mich herum die mich akzeptieren und so lieben wie ich bin. Ich bin da wirklich guter Dinge!
      Danke für den lieben Kommentar und alles Gute auch dir

      Grüße

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  10. Ich muss gestehen, dass ich durch deinen Artikel das erste Mal so richtig von diesem Thema höre. Mich würde noch mal interessieren, ob es bei dir schon immer so war, oder sich langsam entwickelt hat? Ich finde es unheimlich mutig, dass du deine "Gabe" einsetzen möchtest, um anderen Leuten zu helfen. Viel Glück für dein Studium und auch für alles weitere.
    Viele liebe Grüße

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    1. Ich freue mich, dass du mir antwortest und möchte dir deine Frage gerne beantworten.
      Um ehrlich zu sein kann ich es aber nicht.
      Ich war schon immer etwas anders. Wie schon erwähnt hielten mich alle für weinerlich oder nah am Wasser gebaut und ich habe auch in der Schule oft den lauten pausenhof vermieden weil es alles zuviel war. Sportunterricht und Musik waren mir immer viel zu viel und auch die Kummerkastenfunktion hatte ich schon zu Schulzeiten. Aber wann genau sich was gezeigt hat weiß ich nicht. Erst vor ein paar Jahren habe ich mich näher damit beschäftigt und herausgefunden was da los ist.
      Danke für die lieben Worte
      Grüße

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    2. Danke für die Antwort. Ich kann mir gut vorstellen, dass man als Kind überhaupt nicht weiß, was da eigentlich los ist.....

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